BUND Kreisverband Nordhausen
Jetzt spenden Mitglied werden

Rückblick BUND-Einsatz 173 - Pfaffenköpfe

19. August 2023 | Lebensräume, Naturschutz

Erdflechte Fulgensia bracteata und  Fulgensia fulgens Das Foto zeigt die bundesweit stark gefährdete Erdflechte Fulgensia bracteata (oben, gelb) und die bundesweit vom Aussterben bedrohte Fulgensia fulgens (gelblich, unten), ein selten mögliches Foto mit beiden Arten nebeneinander. Im Landkreis NDH kenne ich nur noch vier Wuchsorte. Daher sollten Gipsschuttflächen auch nie betreten werden.  (Bodo Schwarzberg)

Mein besonderer Dank geht an Helga, Karl-Heinz und Lukas für ihren Einsatz an einem recht schwülen und heißen Tag mit großem Getränkeverbrauch! Sie ließen sich nicht von den herrschenden Bedingungen abbringen, aktiv etwas für die Erhaltung unserer Biodiversität zu tun.

Wir hatten also zu Viert von 10 bis 19 Uhr gestern einen effektiven Einsatz auf den Pfaffenköpfen: Ziel des Einsatzes war in erster Linie die Entfernung von neuestem Gebüschaufwuchs auf den Gipskuppen, die im vergangenen Jahr oder im Winter entbuscht worden waren. Das war in der Vergangenheit nicht immer konsequent gemacht worden, so dass es einen bis jetzt nicht enden wollenden jährlichen Austrieb mit der Folge gab, dass wichtige Gipsschuttfluren mit seltenen Erdflechten verschwanden oder/und die darunterliegenden Rasen verfilzten.

Helga, Karl-Heinz und Lukas sorgten mit mir zusammen zunächst für die genannten Maßnahmen auf einer noch im vergangenen Jahr stark verbuschten Gipskuppe im Ostteil der Pfaffenköpfe, während ich dann zwischen 14 und 19 Uhr allein noch ca. 98 Prozent des Neuaustriebs der im letzten Jahr entfernten Birken absäbelte. Dazu nahm ich den großen 510er Freischneider, für den das genau die richtige Verwendung war.

Das Material kann nun bis in den Herbst trocknen, dann sammeln wir es abfahrbereit ab. In der letzten Stunde mähte ich dann noch im Südteil der Pfaffenköpfe einige Streifen, in denen einst der Deutsche Enzian (Gentianella germanica) siedelte, in den letzten Jahren dort aber zurückgegangen ist. Die Pflege des Südrandes der Pfaffenköpfe ist weiterhin eine regelmäßige Aufgabe für uns: Noch haben wir dort viele G. germanica und genau deswegen müssen wir bereits jetzt gegensteuern, wo diese Population der zweijährigen Art noch Ausbreitungspotenzial hat. Das gleiche gilt auch u.a. für das in Thüringen vom Aussterben bedrohte Katzenpfötchen (Antennarfia dioica), welches wohl mit die größten verbliebenen Thüringer Bestände auf den Pfaffenköpfen hat.

Das Dilemma der Pflege dort wurde mir erst in der vergangenen Woche wieder klar: Die Schafe standen und lagen, der besseren Aussicht willen, direkt auf den Giskuppen, wo sie dann in kürzester Zeit jahrzehntealte Erdflechtebestände zerstörten. Die Schafe sind dort deshalb schnell wieder rausgebracht worden. Es gibt eine entsprechende Absprache. 30 Jahre lang wurden weite Teile der Pfaffenköpfe kaum beweidet und sie blieben trotzdem mager und südexponierte Teile verbuschten noch nicht einmal. Fängt man jetzt eine Koppelhaltung an (dazu noch mit zu vielen Tieren), entsteht schnell eine nitrophile Pflanzendecke, die Verbuschung wird durch selektive Unterbeweidung gefördert und in kurzer Zeit beginnt eine negative Entwicklung (siehe Ostteil Pfaffenköpfe). Die neue Erkenntnis lautet, dass außer extensiver Hütehaltung (Beispiel Hopfenberg bei Harzungen) keine Beweidung zu einer Erhaltung der Lebensraumtypen der EU führen kann. Daher, wenn also keine sehr schonende Hütehaltung z.B. mit den Buchholzer Schafen möglich ist, muss der Zustand der letzten 30 Jahre durch gezielte Mahd auf ausgewählten Teilflächen erhalten werden. So, wie wir das bereits im letzten Winter praktizierten.

Autor: Bodo Schwarzberg

Zur Übersicht