BUND Kreisverband Nordhausen
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Rückblick Einsatz 175 - NSG Pfaffenköpfe

30. September 2023 | Lebensräume, Naturschutz

Einsatz 175 - NSG Pfaffenköpfe  (Bodo Schwarzberg)

Helga, Karl-Heinz und ich haben gestern einen weiteren Einsatz auf den Pfaffenköpfen durchgeführt. Dabei haben wir zunächst den mittlerweile abgetrockneten, überwiegend von Birken stammenden Reisig, den wir bei unserem Augusteinsatz als Neuaustrieb abgesenst hatten, abholbereit abgelagert.

Damit sind die zahlreichen Gipskuppen und auch der besonders zur Verbuschung neigende Nordrand der Pfaffenköpfe so gebüscharm wie selten in den letzten 30 Jahren. Mehrere kleine Heidestellen bekommen zudem wieder volles Licht (die Gesellschaft der Besen-Heide und der Zypressen-Wolfsmilch, das Euphorbio-Callunetum ist in Thüringen vom Aussterben bedroht) und ebenso mehrere flechtenreiche Gipsschuttflächen. Die Gehölze sorgen, zusätzlich zur Beschattung, für eine allmähliche Verfilzung des Rasens im Randbereich der Gipsschuttflächen und in der Folge zu verstärktem Humuseintrag, was die sensiblen Flechten verdrängt.

Wir haben das gesamte Reisig abgelagert. Es bleiben momentan also diesbezüglich keine Nacharbeiten, zumal ich abschließend noch einmal mit dem Freischneider über die zahlreichen Stümpfe ging. Diese Entfernung muss nun kontinuierlich fortgesetzt werden. Dann ist in ein oder zwei Jahren kaum noch Neuaustrieb zu sehen. Dass das nicht geschah, in den letzten Jahren, führte immer wieder zur rasanten Entwicklung von Birken, die schnell 10 Meter hoch waren und sehr aufwändig von Herrn Hahn entfernt werden mussten. Das Problem ist, wie so oft im Naturschutz, die fehlende Kontinuität.

Ab Nachmittag mähte und beräumte ich dann noch allein einige Bereiche im Südteil der Pfaffenköpfe (dort waren wir seit 2010 mehrfach tätig), in dem die Verfilzung infolge fehlender oder ungeeigneter Nutzung zugenommen hatte und zur allmählichen Verdrängung von Deutschem Enzian (zur Zeit noch zahlreich aber zu 98 % verblüht) und auch Fliegen-Ragwurz führte. Da jetzt viele fruchtende Enzianpflanzen zu sehen sind, kann man gut abschätzen, wo gemäht werden muss. Man kann somit gut sehen, welche Bedingungen diese Art bevorzugt und welche nicht. Duch die Mahd jetzt im Herbst werden auch offene Bodenstellen geschaffen, die die die gerade ausfallenden Samen (siehe mein Status bei whatsapp) zur Keimung benötigen.

Zunehmend scheint aber auch die Klimakatastrophe ihre Wirkung zu entfalten. Ich kenne die Fläche seit über 30 Jahren genau: der Deutsche Enzian hat seinen Verbreitungsschwerpunkt immer weiter in die im Tagesgang am längsten beschatteten (aber hellen), nordexponierten südwestlichen Bereiche verlagert, wo er, sofern noch Kurzrasigkeit besteht, zahlreich ist.

Auch entlang fast der gesamten Südkante kommt er noch vor, aber weniger, als früher auch in kurzrasigen Bereichen. Im Ostteil der Pfaffenköpfe ist er dank intensiver Schafkoppel fast vollständig verschwunden. Ich bin mit Herrn Hahn weiterhin in diplomatischen Gesprächen zum Thema. Die Behörden sind wenig gewillt, überfordert bis hilflos, auf Grund wohl auch des dem Landwirtschaftsrecht widersprechenden Naturschutzrechts, wenngleich es, wie schon berichtet, auf Grund massiver Intervention, Fortschritte gibt. Manches aber muss direkt mit Hahn an der Basis geklärt werden, eben das, wo der Staat seine Schwächen zeigt. Aber die EU hat Deutschland wegen dieser Probleme längst im Auge.

Nach 9 Stunden endete der 175. Einsatz. Mein besonderer Dank geht an Helga und Karl-Heinz Junker für ihre große Tatkraft. Sie waren zum Einsatz extra aus Sondershausen gekommen. Ohne sie wäre das Pensum nicht zu schaffen gewesen. Übrigens haben wir vielleicht noch eine oder zwei aktive Einsatzteilnehmerinnen gewinnen können. Das ware zwei sportliche Frauen, die während unserer Mittagspause den Karstweg entlanggewandert kamen. Sie kommen aus Buchholz und waren interessiert, hinterließen Mailadresse und Telefonnummern.

Übrigens funktioniert der 460er Freischneider, also der kleinere, wieder tadellos.

Autor: Bodo Schwarzberg

Der Einsatz in der Presse: Reisig und kein Ende?

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