BUND Kreisverband Nordhausen
Jetzt spenden Mitglied werden

Rückblick BUND-Einsatz 174 - Windfeld NSG Alter Stolberg

16. September 2023 | Lebensräume, Naturschutz

Windfeld NSG Alter Stolberg Mah des Windfelds im Naturschutzgebiet Alter Stolberg.  (Bodo Schwarzberg)

Zu Dritt haben wir gestern den laut Plan anstehenden Einsatz auf dem Windfeld im NSG Alter Stolberg durchgeführt. Tobias, Anne-Gret und ich haben mächtig rangeklotzt und waren trotz viel Aufwuchses nach 7 Stunden mit der Fläche fertig.

Anfang April 2010 verbrachten wir dort übrigens unseren ersten regulären BUND-Einsatz, damals mit viel studentischer Beteiligung.  Von 2013 bis 2015 mähte ich die Fläche im Rahmen des Referenzprojektes Artenschutz mit dem LPV allein.

Um (fast) alle, gerade blühenden und fruchtenden Steppen-Sesel (Seseli annuum), mähten wir gestern herum.

Zudem konnte ich den Einsatz nutzen, grob die Rosettenzahl des stark gefährdeten Abbiss-Pippaus (Crepis praemorsa) zu erfassen. Es dürften 100 bis 150 sein, auch scheint es, dank der Feuchte in 2023, einige Jungpflanzen zu geben. Das ist immer noch ein guter Wert, wenngleich ein deutlicher Rückgang nach Jahren der Zunahme unverkennbar ist, vor allem in stärker austrocknenden Teilbereichen. Auf dem noch trockener gewordenen "Kamm" ist er auch noch stärker zurückgegangen. Die meisten heutigen der oft flach dem Boden aufliegenden Rosetten befinden sich auf dem Windfeld noch in wechseltrockenen, leicht schattigen, statt heutzutage überwiegend trockenen Bereichen.

Diese Entwicklung selbst bei trockenheitstoleranten Arten ist ein Ausdruck der Klimakatastrophe. Diese Prozesse rechtzeitig zu erkennen, ist wichtig für die Erhaltung, - hier von Crepis praemorsa. In Kultur ist die Art pflegeleicht und produziert alljährlich tausende Achänen.

Wie bereits bei anderen Arten (z.B. Klebrige Miere oder Feld-Enzian) bewährt, sollen nun, am besten in Verbindung mit der UNB Probeausaatstellen vor Ort angelegt werden, und zwar unter verschiedenen Licht-/Feuchteverhältnissen, also eine Art In-situ-Kultur, die wegen der größeren Naturnähe den ex-situ-Kulturen vorzuziehen sind. Allerdings sind sie wegen der Betreuung aufwändiger. Außerdem könnte vielleicht eine die Rosetten schonende, zweite Mahd in feuchteren  Teilbereichen helfen, da der zweite begrenzende Faktor für Crepis praemorsa oft das Licht ist, also das Überwachsen der Rosetten durch konkurrierende, andere Arten. Früher wurde das durch gehütete Schafe gelöst, die an die Rosetten kaum herankamen und den Pippau durch selektive Unterbeweidung förderten. Kommen zwei Stressoren zusammen (Trockenheit und Lichtmangel/Platzkonkurrenz), kann es kritisch werden.

Als wahrscheinlichen Beleg für diese These ((Wechseltrockenheit und Licht) mag das einst einzige, von mir wiederentdeckte (mur bekannte) Exemplar des Abbiss-Pippaus bei Niedersachswerfen dienen: Diese Pflanze an einem hellen Nordhang wird nicht überwachsen, sie ist sehr kräftig und hat um sich herum in wenigen Jahren, durch die simple Anlage kleiner Bodenverwundungen zahlreiche Jungpflanzen produziert, aus einer einzigen, regelmäßig blühenden Rosette heraus.

Dieses Ziel besteht, neben der Erhaltung der noch bestehenden Pflanzen, auch auf dem Windfeld. Es zeigt sich, wie wichtig Beobachtung, rechtzeitiges Handeln, Erhaltungskulturen und Experimentieren sind.

Großer Dank an Anne-Gret und Tobias!

Autor: Bodo Schwarzberg

Zur Übersicht