Am Freitag vor einer Woche trat das zuvor kaum für möglich Gehaltene ein: An einem normalen Arbeitstag konnte, dank der Flexibilität und dem Idealismus von Uwe und Lukas, ein landschaftspflegerischer BUND-Einsatz mit drei Teilnehmern stattfinden.
Eigentlich hatte ich vermutet, dass ich am Freitag allein mähe und dann am Sonntag mit einigen Aktiven abharken würde. Es war eine große Bereicherung und Effektivierung, dass es dank Uwe und Lukas anders kam. Am Freitag mähten und beräumten wir unsere zu den steilsten Projektflächen zählende NALAP-Projektfläche Kalkberg-Ost im NSG Rüdigsdorfer Schweiz und einige kleine, weitere Bereiche N Kalkbergsteinbruch, die durch die ungeeignete bisherige Bewirtschaftung immer mehr mit Schlehe verbuschte und so für zahlreiche Pflanzen- und damit Tierarten zunehmend problematisch wurde. Durch mehrere Einsätze in den vergangenen 12 Monaten gelang es uns bereits, den immer größer werdenden Schlehenaustrieb etwas zurückzudrängen.
Leider konnten wir auf Grund meiner eigenen Schuld nicht so effektiv arbeiten: Der Grund: Nach dem vorherigen Einsatz am Hühnerberg hatte ich die zentrale Mutter für das Freischneidermesser von unserem größten Freischneider (510er) verlegt, so dass wir mit Mähfaden mähen mussten. Der Mähfaden jedoch bricht recht schnell ab, wenn er auf verholzte Stängel (Sträucher) trifft und es kommt zu häufigen Unterbrechungen des Mähvorganges... Mittlerweile ist die wichtige Mutter wieder aufgetaucht.
Noch etwas zu unserer NALAP-Fläche Kalkberg Ost: Sie und unsere NALAP-Fläche Kalkberg West zeigen die Flora des Kalkbergs, wie sie noch um 1990 fast im gesamten Bereich N des Kalkbergsteinbruchs beobachtet werden konnte wie in einem Museum. Beide Flächen sollten laut Managagementplan unsinnigerweise in die Rinderweide einbezogen werden, was ich schon vor Jahren verhindern konnte.
Beide werden von uns, wie ihr alle wisst, einschürig gemäht, wobei wir am 6.7. nur dort mähten, wo Lückigkeit nicht mehr vorhanden war bzw. Verbuschung drohte. Viele Quadratmeter mit z.B. vielen blühenden Witwenblumen und Flockenblumen und mit dem Ebensträußigen Gipskraut verblieben in diesem Jahr ungemäht. Der Strukturreichtum mit ungemähten und gemähten Bereichen wird so erhöht, was diesen Inseln der Biodiversität zugute kommt.
Auf unserer Pf Kalkberg Ost erhalten wir zahlreiche selten gewordene bzw. Rote-Liste-Arten wie z.B. Hügel-Meier (Asperula cynanchica), Berg-Lauch (Allium lusitanicum), Steppen-Sesel (Seseli annuum), Berg-Aster (Aster amellus), Kleines Mädesüß (Filipendula vulgaris), Gewöhnliches Federgras (Stipa pennata), Gewöhnliches Sonnenröschen (Helianthemum nummularium ssp. nummularium), Ebensträußiges Gipskraut (Gypsophila fastigiata), Kelch-Steinkraut (Alyssum alyssoides) und Rispige Flockenblume (Centaurea stoebe).
Man kann im Umfeld unserer BUND-Pf Kalkberg Ost und West vergleichsweise gut sehen, dass die nicht selten überforderten staatlichen Institutionen nicht immer in der Lage sind, den Artenreichtum auf den von ihnen verantworteten bzw. nach ihren Maßgaben von Fremd-Akteuren gepflegten Flächen in befriedigender Qualität zu erhalten!
Eines räume ich allerdings ein: So großflächig, wie Rinder können wir mit unseren Freischneidern nicht agieren. Jedoch: Dass nun Rinder über Jahrhunderte durch Schafe entstandene Hotspots der Biodiversität erhalten sollen (was nachweislich nicht funktioniert), ist eine Folge einer auf Rinder und Intensivlandwirtschaft setzenden Politik von Jahrzehnten, also ein langfristiges und zugleich kurzsichtiges rein ökonomisch gesteuertes Versagen der verantwortlichen Akteure. Dabei sollte doch nach der Wende alles besser werden.
Mein Dank geht an Uwe und Lukas für ihre spontane Bereitschaft, an einem heißen Freitag an Steilhängen zu harken und so die Biodiversität mit zu erhalten.
Das durch ihren Einsatz freigewordene Hitze-Wochenende nutzte ich mit Katrin für die Mahd im Bereich des vorletzten bekannten Arnika-Vorkommens im Landkreis. Dabei brachte ich rund 100 Arnika-Achänen aus. Arnica montana war einst sehr häufig. Diese auch ästhetisch ansprechende Pflanzenart wurde durch Jahrzehnte des Nichts- oder des "Falschtuns" sowie wohl auch durch die Stickoxidfracht aus der Luft im Südharz (inkl. Sachsen-Anhalt) fast vollständig vernichtet. Künftig versuche ich, einst mit Arnika besiedelte Bergwiesen im Thüringer Südharz mit dieser Art wiederzubesiedeln. Pikanterweise wird das sogar von der Taeger-UNB unterstützt, was mir in einer Mail bestätigt wurde.
Autor: Bodo Schwarzberg